Schon als Knirps von Schiffen fasziniert

Hans Schorn begann als 17-Jähriger bei der Köln Düsseldorfer seine Ausbildung als Binnenschiffer. Später arbeitete er als Reisebusfahrer und Zugchef bei der Deutschen Bahn. Doch die KD hat ihn nie losgelassen. Jetzt führt er mit seiner Frau Sabrina das KD Ticket Office in Kamp-Bornhofen.

Seit Saisonbeginn gehört mit MS Willi Ostermann eine Berühmtheit zur KD Flotte. Es handelt sich bei dem Schiff um das legendäre „Müllemer Böötche“. Für viele Menschen ist das Schiff ein emotional aufgeladener Ort, mit dem sie wichtige Erinnerungen verbinden. Zu ihnen gehört Hans Schorn. Er betreibt mit seiner Frau Sabrina das KD Ticket Office in Kamp-Bornhofen am Mittelrhein. Es ist die aktuelle Episode einer längeren Geschichte, in der die KD immer wieder eine Rolle spielte und an deren Anfang die Willi Ostermann stand. Doch dazu später. Erst einmal ein Blick auf das „Böötche“ MS Willi Ostermann wird für Panoramafahrten in Köln eingesetzt. Das gemütliche Schiff ist bestens geeignet für Veranstaltungen von 40 bis 160 Personen und beliebt für Charterfahrten. Es gibt sogar eine Event-Pauschale ab einer Mindestteilnehmerzahl von 40 Personen.

Einmal im Jahr zum Drachenfels

Vor mehr als 150 Jahren starteten mit dem „Müllemer Böötche“ die Verbindungen zwischen dem rechtsrheinischen Mülheim und der linksrheinischen Altstadt. Das neue KD Flottenmitglied ist freilich jünger. Das Schiff wurde 1965 auf der Lux-Werft in Mondorf gebaut. Über die Grenzen Kölns bekannt wurde das Schiff durch das kölsche Lied „Heidewitzka, Herr Kapitän“ von Karl Berbuer aus dem Jahr 1936. Seither ist klar. Einmal im Jahr wird eine Schiffstour gemacht und zwar ins Siebengebirge zum Drachenfels. Warum? „Mem Möllemer Böötche fahre mer su jähn“ (Mit dem Mülheimer Bötchen fahren wir so gerne). Wer mag da widersprechen? Seit knapp 90 Jahren niemand. Schon gar nicht Hans Schorn.

Lebhafte Erinnerung

Er kam bereits im Alter von sechs Jahren mit den am Rhein liegenden Schiffen in Kontakt. „Mein Vater Markus arbeitete damals als Bierfahrer, später als Expedient für die KüppersBrauerei und belieferte vor allem die KD Schiffe mit Kölsch. Ich war in den Ferien und am Wochenende oft mit dabei und fand das ganze Drumherum an Bord toll“, erzählt der jetzt 64-Jährige. Besonders lebhaft steht ihm ein Bild aus dieser Zeit vor Augen. „Wenn ich die Willi Ostermann sehe, denke ich stets an meinen mittlerweile verstorbenen Vater, wie er unter Deck auf einer Bank sitzt, seine Kladde mit dem Ledereinband aufgeschlagen vor sich hat und gewissenhaft die Zahlen für die Abrechnung einträgt. Ich habe ihm dabei still, fast ehrfürchtig zugesehen. Das war unser Moment.“

Ausbildung als Binnenschiffer bei der KD

Mit 17 Jahren zog es Hans Schorn selbst aufs Wasser. Er begann bei der Köln-Düsseldorfer eine Ausbildung zum Binnenschiffer. Bei der Entscheidungsfindung spielte auch das Fernsehen eine Rolle. „Ich war fasziniert von der Serie „MS Franziska““, erzählt Schorn. Im Dezember 1977 lief die erste Folge der Serie, in der sich alles um ein altes Motorschiff und eine Familie, in der alle Männer Schiffer waren, drehte. Im Mittelpunkt stand die MS Franziska, mit der Frachtgut auf dem Rhein transportiert wurde. Außerdem wurden viele Aspekte zur Rheinschifffahrt allgemein abgebildet. In den Episoden kamen auch KD Schiffe vor wie das Tragflügelboot „Rheinpfeil“ und das KabinenKreuzfahrtschiff „Britannia“

“Hätte bei der KD bleiben sollen”

Auf beiden Schiffen war auch Hans Schorn während seiner Ausbildung eingesetzt. Seine erste Station war das Schiff MS Köln. Tag eins ist ihm noch in bester Erinnerung. „Um 5 Uhr ging es los. Wasserstände aufschreiben, Fenster des Steuerhauses putzen, ebenso die Schiffsglocke. Und eine Tasse Kaffee für den Kapitän hinstellen. Der Kaffee war wohl in Ordnung, die Fenster musste ich ein zweites Mal putzen.“ Nach seiner Ausbildung ging es zunächst zur Bundeswehr-Marine, dann noch einmal für zwei Jahre zurück zur KD. „1985 habe ich aufgehört, weil ich etwas anderes machen wollte und sich meine Lebensumstände geändert hatten. Rückblickend muss ich sagen: Das war ein großer Fehler, ich hätte bei der KD bleiben sollen, das war wie eine Familie. Ich liebe das Unternehmen immer noch.“

Wasser, Straße, Schiene, (ans) Wasser

Seine weiteren Stationen hatten ebenfalls immer mit Bewegung und dem Transport von Menschen zu tun. Der gebürtige Kölner war Berufskraftfahrer und Kraftverkehrsmeister, fuhr Reisebusse und hatte ein eigenes Busunternehmen. Dann zog es ihn zur Deutschen Bahn, wo er aktuell im Bahnhof Montabaur für die Abfertigung der Züge verantwortlich ist. Seine Frau Sabrina arbeitet als Schaffnerin bei der Bahn. Beide wohnen in Kamp-Bornhofen, eine Gemeinde am Rhein im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal. Seit 2024 haben die beiden dem zuvor verwaisten KD Ticket Office neues Leben eingehaucht. „Wir hatten uns gewundert, dass die Agentur nicht besetzt war. Das fanden wir schade und haben uns an Patrick Zimmer von der KD gewandt, um die Agentur wiederzueröffnen. Glücklicherweise hat es geklappt.

“Goethe” mit Musik begrüßt

Bevor das Ehepaar loslegen konnte, mussten das Häuschen und die Außenflächen einschließlich Anlegebrücke wieder auf Vordermann gebracht werden. Wie wunderbar das Ganze geworden ist, erlebten unlängst zum Saisonstart die Besucher an Land und die Gäste auf dem Schaufelradschiff Goethe. Zur Begrüßung des historischen Schiffes spielte die Kolping-Kapelle von Kamp-Bornhofen. „Wir haben beim Küchenteam eines örtlichen Altenheims 25 Liter ihrer köstlichen Erbsensuppe bestellt und verkauft. Den Reinerlös haben wir der Kindertagesstätte gespendet“, erzählt Sabrina Schorn. „Mittlerweile ist die Agentur ein Treffpunkt am Rhein geworden, wo die Menschen auf einen Kaffee und ein Schwätzchen zusammenkommen. Das freut uns sehr.“ Für Hans Schorn ist es ein wenig wie nach Hause kommen. „Ich fühle mich der KD wieder ein ganzes Stück näher. Ich habe sogar einen Traum. Darf ich den erzählen?“ Nur heraus damit. „Ich würde gern zum Ende meiner beruflichen Zeit noch einmal ein Jahr als Zahlmeister auf der Goethe fahren.“ Das lassen wir einfach mal so stehen.

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