Schaufelradschiff Goethe ist der Flottensenior

_ Auf dem Rhein – Blick auf die vorbeifahrende „Goethe“ vor Unkel

Das Schiff wurde vor über 100 Jahren als Dampfer gebaut und stand noch bis 2008 unter Dampf. Nach seiner Umrüstung auf einen Dieselantrieb ist das restaurierte Schiff auf der Nostalgie Route am Mittelrhein zwischen Koblenz und Rüdesheim unterwegs

Die Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt GmbH feiert im Jahr 2026 Jubiläum. Das Traditionsunternehmen wird 200 Jahre alt. Der unbestrittene älteste Gratulant aus den eigenen Reihen ist das Schaufelradschiff Goethe. Der Dampfer ging 1913 als Ersatz für die ausgemusterte „Ernst Moritz Arndt“ an den Start. Es war der letzte Neubau für den kombinierten Güter- und Personenverkehr der PreußischRheinischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft, einer der beiden Vorgänger der KD. Lange Jahre war die Goethe der letzte verbliebene Dampfer auf dem Rhein. Am 5. Oktober 2008 endete die Geschichte der Dampfschifffahrt auf dem deutschen Teil des Rheins.

Begeisterte Fahrgäste 1958 auf der Goethe bei voller Fahrt – winkend ins Vergnügen.
Gediegene Atmosphäre im Speiseraum der Goethe, ca. 1955
Es heißt Abschiednehmen – Abfahrt von der Anlegestelle St. Goar, 9. Mai 1953

Schwimmendes Wahrzeichen

Die Köln-Düsseldorfer ließ den Raddampfer Goethe auf Dieselantrieb umrüsten. Die markanten Schaufelräder werden von Hydraulikmotoren angetrieben. Das detailgetreu restaurierte Schaufelradschiff ist auf der Nostalgie-Route durch das ganze UNESCOWelterbe Oberes Mittelrheintal unterwegs. Die Tour beginnt in Koblenz und geht bis nach Rüdesheim und zurück. Unterwegs ziehen Orte der Rheinromantik wie St. Goarshausen, St. Goar, Bacharach, Assmannshausen und Bingen vorbei. Auch nach über 100 Jahren, ob unter Dampf oder nicht, ist klar: Die „Goethe“ gehört zum Mittelrhein. Sie ist ein schwimmendes Wahrzeichen, das sich durch sein charakteristisches Tuten der Dampfpfeife schon von weitem ankündigt.

Die „Goethe“ im Winter vor dem Kölner Rheinpanorama. Ansichtskarte der KD

„Die Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt GmbH feiert im Jahr 2026 Jubiläum. Das Traditionsunternehmen wird 200 Jahre alt.“

Vorgängerin “Goethe I” lebte nur kurz

Ein Blick in die Unternehmensgeschichte zeigt, dass das Schiff in der Flottenhistorie „Goethe, Nummer 2“ ist. Es gab vorher die „Goethe I.“ Es war ein sogenanntes Glattdeckschiff für Personen und Güter. Der Dampfer wurde ebenso wie das Schwesterschiff „Schiller“ 1847 ausgeliefert. Aber anders als dieses wurde die „Goethe“ erst im Februar 1848 in Betrieb genommen. Festlich geschmückt ging es frühmorgens von Köln nach Koblenz. Trotz Hochwassers betrug die Fahrzeit nur sechs Stunden und ein paar Minuten. Da hatte die „Schiller“ bei ihrer Jungfernfahrt nahezu 30 Minuten länger gebraucht. So richtig viel Freude scheint die erste „Goethe“ ihren Eignern allerdings nicht gemacht zu haben. Bereits 1901 ging es nach Holland zum Abwracken.

Im zweiten Weltkrieg schwer beschädigt

Da zeigte sich die Namensnachfolgerin „Goethe“ (II) wesentlich robuster. Obwohl auch sie manches Ungemach hinnehmen musste. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schiff Ende Juli 1942 in Koblenz von zwei Sprengbomben getroffen und musste auf der Werft instandgesetzt werden. Im Dezember 1944 wurde die „Goethe“ an die NSDAP-Kreisleitung Ahrweiler vermietet. Die Nationalsozialisten brachten auf dem Schiff russische Kriegsgefangene unter, die als Zwangsarbeiter am Westwall Schützengräben ausheben und Panzersperren errichten mussten. Anfang März 1945 wurde die „Goethe“ von amerikanischen Tieffliegern angegriffen, von zwei Bomben im Hinterschiff getroffen und versenkt. Erst im April 1949 wurde das Schiff gehoben und schließlich 1952/53 wiederaufgebaut. Zusammen mit MS Köln war die Goethe dann im Jahr 1953 das Jubiläumsschiff zur 100-Jahr-Feier des Zusammenschlusses der Preußisch-Rheinischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft in Köln und der Dampfschiffahrts-Gesellschaft für den Nieder- und Mittelrhein in Düsseldorf zur Köln Düsseldorfer Betriebsgemeinschaft eingesetzt.

Nach dem Saisonende 1989 wurde die „Goethe“ im Niehler Hafen in Köln zunächst außer Dienst gestellt und stillgelegt. 1995, sechs Jahre später, wurde der Dampfer dann sehr aufwendig und originalgetreu im Art-Déco Stil restauriert. Ende August 1996 wurde die „Goethe“ dann in Köln im Rahmen einer feierlichen Zeremonie der Öffentlichkeit präsentiert und wieder in Dienst gestellt. Und so ist die Goethe auch heute noch eine große Freude für viele Einheimische und Touristen im Mittelrheintal.

„Das detailgetreu restaurierte Schaufelradschiff ist auf der Nostalgie-Route durch das ganze UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal unterwegs.“

Damals und heute: Die „Goethe“ vor Kaub mit der Pfalz und Burg Gutenfels
Damals und heute: Die „Goethe“ vor Kaub mit der Pfalz und Burg Gutenfels

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