Mit dem Katamaran entscheidende Weichen gestellt

Die Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt GmbH hat in den zurückliegenden Jahrzehnten, ja Jahrhunderten, Schifffahrtsgeschichte geschrieben. Los ging es 1826 mit der Preußisch-Rheinischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft und dem Dampfer „Concordia“ aus Holz. Es folgten Dampfschiffe aus Stahl und Eisen, große Seitenpropellerschiffe mit Motoren, Tragflächen- und Schnellboote. Mit dem Bau des Eventkatamarans „RheinMagie“ 2004, damals unter dem Namen „RheinEnergie“, setzte das Unternehmen einen neuen, wegweisenden Meilenstein.
Ganz neue Impulse
„Wenn wir das nicht gemacht hätten, gäbe es die KD heute nicht mehr. Wir haben damit ganz neue Impulse gesetzt. Damals gab es auf dem Rhein kein Schiff in dieser Größenordnung“, sagt Norbert Schmitz, von 2000 bis 2015 Vorstand der Köln-Düsseldorfer. Neben dem traditionellen Fahrgastbetrieb auf Rhein, Main und Mosel konzentrierte sich die KD ab diesem Zeitpunkt verstärkt auf den Veranstaltungssektor. Mit dieser Intention war das beeindruckende Schiff in Auftrag gegeben worden. Der Katamaran bietet Platz für bis zu 1.650 Gäste. Das Schiff ist 90,3 Meter lang, 19,3 Meter breit und verfügt über drei Decks plus einem etwa 1.200 Quadratmeter großen Freideck. Besonders hervorzuheben ist zudem die ungefähr 40 Quadratmeter große Bühne auf dem Hauptdeck. Eine zweite Sichtebene auf diese Bühne gibt es von der Galerie im Oberdeck. Bis heute ist MS RheinMagie der größte Eventkatamaran Europas.
Sicherer Luftraum fürs Funkemariechen
„Wir hatten seinerzeit durchaus Respekt vor der Herausforderung, solch’ ein Riesenschiff zu planen. Es ging ja damals um die zukunftsweisenden Fragen, wie stellen wir uns die neue KD vor? Wohin geht im wahrsten Wortsinn die Reise?“, erinnert sich Schmitz, der auf die Frage der Schiffsbauer bei der beauftragten Werft De Hoop im niederländischen Lobith, wie hoch denn der Aufbau der Bühne sein soll, eine Antwort gab, die nur einem Kölner einfallen konnte. „Ich habe kurz überlegt und dann gesagt, dass die Bühne auf jeden Fall so hoch sein muss, dass bei den Karnevalsveranstaltungen die Tanzoffiziere die Funkenmariechen gefahrlos in die Luft werfen und wieder auffangen können.“
Der Papst und der Kellner
Im Rahmen des Weltjugendtages 2005 in Köln nutzte der damals gerade erst gewählte Papst Benedikt XVI. das neue KD Flaggschiff für die Pilgerfahrt auf dem Rhein. Die Fotos gingen seinerzeit um die ganze Welt. „Das war unfassbar beeindruckend. Unzählige Menschen säumten die Ufer und jubelten dem Papst zu“, sagt Norbert Schmitz. An Bord selbst war die Menschenmenge eher überschaubar. Die Sicherheitsanforderungen waren, wie während des Papstbesuches überall in der Stadt, sehr hoch. So waren beispielsweise die Rheinbrücken, unten denen das „Papstschiff“ hindurch fuhr, gesperrt und leer. Die Liste derer, die mitfahren durften, war ebenfalls entsprechend kurz. Aus welchen Gründen auch immer fehlte der Name eines bekannten Herrn aus der Kölner Stadtgesellschaft, der fand, er und seine Gattin müssten auf jeden Fall mit aufs Schiff. Schmitz sollte das doch bitte möglich machen. Erneut musste eine kölsche Lösung her. Noch heute mögen einige der damals Anwesenden rätseln, warum besagter Herr an dem Tag als Kellner Tabletts mit Häppchen durch die Reihen trug, während seine Ehefrau in der Spülküche im Einsatz war.
Konzept ging auf
Mittlerweile ist klar: Die Entscheidung, mit dem Bau dieses großen Multifunktionsschiffes das Ausflugs- und Veranstaltungsgeschäft der KD in eine neue Ära zu führen, war goldrichtig. Das Konzept ging auf. Aktuell verfügt das Unternehmen neben der „RheinMagie“ mit der „RheinFantasie“ (2011) und der „RheinGalaxie“ (2022) über drei Eventschiffe mit Kapazitäten von 1.000 bis 1.650 Gästen. Darüber hinaus hat die KD mit der komplett renovierten „RheinVision“ (ex MS Loreley), der „RheinPoesie“, der „RheinHarmonie“ sowie der seit diesem Jahr neuen „Jules Verne“ vier weitere moderne Eventschiffe in ihrer Flotte. Die schwimmenden Eventlocations der KD sind heute gefragter denn je. „Zurecht“, nickt Norbert Schmitz zustimmend, „denn wo sonst könnte man besser feiern, als mitten auf dem Rhein mit bester Aussicht auf den Kölner Dom oder die anderen hübschen Stadtpanoramen.“

Pionierin der Hotelschifffahrt
1960 baute die KD mit MS Europa das erste Kabinenschiff überhaupt und gilt seither als Erfinderin der Flusskreuzfahren. Nach dem Fall der Mauer 1989 und der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten wollte die KD auch auf der Elbe aktiv werden. „Es wurden Gespräche zur Übernahme der „Weißen Flotte Dresden“ geführt, aber wir sind damals nicht zusammengekommen. Es passte einfach nicht“, erinnert sich Norbert Schmitz, der seit 1979 in Diensten der KD war. Konkreter jedoch waren die Pläne, in das Flusskreuzfahrtgeschäft auf der Elbe einzusteigen. Dafür wurden mit MS Clara Schumann und MS Theodor Fontane 1990 zwei Kabinenschiffe mit jeweils 64 Doppelkabinen speziell für die Elbe gebaut. Da das Fahrgastaufkommen zu gering war, wurden die Elbetouren der KD allerdings in 1995 wieder eingestellt. Flusskreuzfahrten auf dem Rhein wurden noch bis zum Jahr 2000 angeboten. Insgesamt stellte die KD 12 Kabinenschiffe in Dienst.
Nach etliche Jahren Abstinenz auf diesem Gebiet gibt es seit 2024 mit der KD Moment wieder ein eigenes Hotelschiff, mit dem ganzjährig Eventkreuzfahrten angeboten werden. Auch in der Vermarktung von Hotelschiffen beispielsweise für Messen ist die KD seit 2017 wieder aktiv. Da war Norbert Schmitz dann nicht mehr an Bord der KD. Er ist zwei Jahre vorher in den Ruhestand getreten.
Kulinarische Experimente
Der Köln-Düsseldorfer ist er nach wie vor verbunden. „Ich freue mich sehr auf das Jubiläum im kommenden Jahr, immerhin war ich 36 Jahre meines Berufslebens ein KD-ler.“ Bereits während dieser Zeit hat der jetzt 73-Jährige angefangen, privat Dinge über und zur KD zu erwerben und zu sammeln. Dazu zählen historische Reiseführer, Karten, Plakate, Fotos sowie Dokumente und alte Speisekarten. „Das ist spannend, die Speisen und Getränke spiegeln den jeweiligen Zeitgeist wider. Was auf den Schiffen angeboten wurde, beschäftigte damals durchaus auch die Mitglieder des Aufsichtsrates. So war der ehemalige Vorsitzende des Aufsichtsrates, Dr. Helmut Keßler, eine Art kulinarischer Anwalt für das „Russenei“. Er war der Meinung, dass das Gericht unbedingt auf unsere Speisekarte gehöre“, erinnert sich Schmitz schmunzelnd.
Zeit für die kölsche Lösung Marke Schmitz Nummer 3: „Ich bin mit Dr. Keßler zu zwei Russenei Verkostungen gegangen. Einmal in den „Goldenen Kappes“ in Nippes und einmal in die „Malzmühle“ am Heumarkt. Was soll ich sagen: Warum wegen ein paar hart gekochter Eier, Kartoffelsalat und Gürkchen lange lamentieren. Wir haben den deftigen Klassiker also auf die Speisekarte genommen. Ist sogar ganz gut angekommen.“
Die umfangreiche Privatsammlung zur Geschichte der Köln-Düsseldorfer Rheinschiffahrt stellt Norbert Schmitz jetzt seinem ehemaligen Arbeitgeber zu Forschungszwecken zur Verfügung. Das Material soll in das Firmenarchiv, das sich im Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchiv befindet, eingegliedert werden.
Der Bau des Eventschiffes „RheinMagie“ im Jahr 2004 war wegweisend. Der ehemalige Vorstand der KD Norbert Schmitz im Gespräch mit der RheinZeit: „Es gab damals kein Schiff dieser Größenordnung auf dem Rhein.“





