Ein Brief, zwei Mädchen und das Hupen der Goethe

Zwei elf Jahre alte Mädchen wünschten sich das Hupen des Schiffes zurück. Der Einsatz von Hannah und Jule verhallte beider KD nicht. Das Schaufelradschiff GOETHE ist das außergewöhnlichste und beliebteste Schiff der KD Flotte.

Hannah und Jule sagen DANKE

Das nach dem deutschen Dichter Johann Wolfgang von Goethe benannte Schiff ist zugleich der Flottensenior. 1913 wurde die GOETHE in Dienst gestellt. Sie war der letzte Neubau für den kombinierten Güter- und Personenverkehr der Preußisch-Rheinischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft, einer der beiden Vorgängerinnen der Köln-Düsseldorfer Deutsche Rheinschiffahrt GmbH. Die Tour mit dem Seitenradschiff auf der Nostalgie-Route entlang des UNESCO Welterbes Oberes Mittelrheintal ist stets etwas Besonderes. Die „alte Dame“ hat zwischen Koblenz und Rüdesheim Fans jeden Alters. Zu den womöglich größten gehören zwei elf Jahre alte Mädchen aus Spay. Der Ort Spay liegt bei Rheinkilometer 577 bis 580 an der größten Rheinschleife und gegenüber der Marksburg. Weinliebhaber schätzen die Weine aus einer der besten deutschen Weinlagen, dem Bopparder Hamm.


Pfiffige Mädchen übernehmen Initiative

Hannah und Jule – und sicher noch weitere Menschen des rund 2.000 Einwohner zählenden Ortes – vermissten zum KD Saisonstart am 25. April etwas sehr Markantes und Vertrautes. Das Schaufelradschiff zog stumm an Spay vorbei. Seltsam, früher ertönte die Dampfpfeife doch immer. Die Mädchen waren zunächst verwundert, dann kurz traurig und schließlich sehr aktiv. Sie verfassten einen handschriftlichen Brief, in dem sie sich direkt an den Kapitän der GOETHE wandten. Darin schilderten sie, wie sehr sie sich auf das Schiff gefreut hätten und eigens ans Rheinufer geeilt wären, um es zu begrüßen. Sie hätten sogar Fahnen dabeigehabt und auf der Trompete gespielt.

Wörtlich heißt es in dem Brief unter anderem: „Wir sind zwei Kinder aus Spay, die am Rhein wohnen. Der alte Kapitän der Goethe hat immer etwa bei Rheinkilometer 579 laut gehupt. Vielen Leuten im Dorf fehlt dieses Hupen, wie uns zum Beispiel. Das Hupen gehört irgendwie zu Spay.“


Um ihren Wunsch nach einer hupenden GOETHE zu unterstreichen, fügten die pfiffigen Mädchen zwei liebevoll gestaltete Zeichnungen bei. Darauf ist das KD Schiff mitsamt Schaufelrad und Dampfpfeife zu sehen. Am Ufer winken Jule und Hannah dem Schiff zu. Auch die Trompete durfte auf dem Bild natürlich nicht fehlen.

“Ganz klar, wir lassen von uns hören”

Wer könnte sich einem derart wunderbaren Brief und einem solchen Anliegen widersetzen? Der neue Kapitän der GOETHE, Niko Braune, jedenfalls nicht. „Als ich von dem Wunsch der beiden Mädchen erfahren habe, war sofort klar: Das müssen wir wieder machen! Wenn ich das vorher gewusst hätte, wäre gar keine Hup-Pause eingetreten. Klasse, dass Hannah und Jule sich gemeldet haben.“ Niko Braune hat das Steuer zum Saisonstart von Andreas Warz übernommen, der in den Ruhestand gegangen ist. Steuerfrau Julia Mierzwa, die seit 2025 zum KD Team gehört, unterstützt den Hup-Einsatz ausdrücklich.

Anlegemanöver der Goethe
Kapitän Niko Braune

Banner “DANKE” am Ufer

Niko Braune reagierte rasch. Wenige Tage nachdem der Brief im Steuerhaus angekommen
war, ertönte das ersehnte Signal der GOETHE bei der Vorbeifahrt an Spay wieder. Wie die
Mütter der beiden Mädchen berichteten, konnten die Elfjährigen ihr Glück kaum fassen.
Schon am nächsten Tag standen sie mit einem selbst gebastelten Banner mit der Aufschrift
„DANKE“ am Ufer und winkten dem Schiff freudestrahlend zu. Kapitän Niko Braune ließ
als Antwort ein kräftiges Hupen ertönen. KD Geschäftsführerin Nina Luig ist ebenfalls von
dem Engagement der beiden Schülerinnen sehr angetan. „Wir wissen, dass viele Menschen
am Mittelrhein mit der GOETHE sehr eng verbunden sind. Ich freue mich über den bemerkenswerten Einsatz von Jule und Hannah ganz besonders. So etwas erlebt man nicht alle Tage. Dafür bedanke ich mich ausdrücklich.“ Das schrieb sie den beherzten Kindern auch in einem persönlichen Antwortbrief.


Herausforderung Niedrigwasser

Bis zur Drucklegung dieses Magazins bestimmte das Niedrigwasser am Rhein den Alltag der Schifffahrt. Ausbleibende Niederschläge und außergewöhnlich niedrige Pegelstände führten diesen Sommer zu erheblichen Einschränkungen. Ob ein Schiff fahren kann, hängt maßgeblich von seinem Tiefgang und den aktuellen Wasserständen ab – manchmal entscheiden bereits wenige Zentimeter darüber, ob eine Fahrt möglich ist oder nicht. Deshalb beobachteten die Experten der KD die Pegel täglich und passten ihre Planungen häufig kurzfristig an. Sicherheit hatte dabei stets oberste Priorität. Als Schaufelradschiff mit seiner besonderen Bauweise konnte die GOETHE seit Mitte Juli nicht mehr eingesetzt werden. Die KD hoffte bis zuletzt auf eine Entspannung der Lage. Vielleicht ist das vertraute Hupen der GOETHE bei Erscheinen dieses Magazins in Spay und natürlich auch andernorts bereits wieder zu hören. Darüber würden sich viele Fans des traditionsreichen Schiffes ganz sicher freuen.

„Wir sind zwei Kinder aus Spay, die am Rhein wohnen. Der alte Kapitän
der Goethe hat immer … laut gehupt. Vielen Leuten im Dorf fehlt dieses Hupen, wie uns zum Beispiel. Das Hupen gehört irgendwie zu Spay.“

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