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Dem Mythos auf den Grund gehen

Wenn inmitten der idyllischen Rheinlandschaft plötzlich der imposante Loreley-Felsen ins Blickfeld rückt, umweht so manchen Betrachter ein schauriger Hauch. Dafür sorgt aber nicht etwa das Antlitz des markanten Schiefergebildes, dem allein wegen seiner schieren Größe faszinierte Blicke gewiss sind. Ausschlaggebend sind vielmehr die Sagen und Mythen, die sich um die weltberühmte Felsformation ranken. Für Diskussionsstoff sorgt vor allem eine goldblonde Zauberin, nach der hier seit rund 220 Jahren gespannt Ausschau gehalten wird.

Nicht nur das Ufer, sondern auch der Rhein wartet südlich der Stadt St. Goarshausen mit einer Besonderheit auf: Die Loreley zwingt den Fluss zu einer scharfen Kurve und engt ihn stark ein. Daher befindet sich direkt am Fuße des Felsmassivs die schmalste und tiefste Stelle des befahrbaren Rheins, die eine entsprechend starke Strömung aufweist. Hier ist der Fluss gerade mal 145 Meter breit und ganze 23 Meter tief.

Berüchtigtes Zwergenecho

Im Mittelalter war dieser Abschnitt von Schiffern gefürchtet. Schließlich gab es in diesem Bereich damals noch Sandbänke, Felsriffe und Strudel, die so manches Schiff zerstört oder in die Tiefe gezogen haben. Obendrein nahmen die Zeitzeugen ein starkes Echo wahr, wenn sie den Felsen passierten. Weitverbreitet war zu jener Zeit der Glaube, dass es sich hierbei um die Stimmen von Zwergen handelte, die angeblich im Loreley-Felsen wohnten.

Einige Forscher gehen davon aus, dass das circa 130 Meter hohe Felsmassiv diesem berüchtigten Echo seinen Namen verdankt. Demnach könnte es sich beim ersten Wortteil „Lore“ um eine alte Bezeichnung für „Schall“ handeln, während das keltische Wort „Ley“ für „Fels“ steht. Eindeutig geklärt ist der Ursprung des Wortes jedoch nicht. In handschriftlich verfassten Dokumenten aus dem 10. Jahrhundert wurden der Loreley noch andere Namen wie Lurulenberg, Lorleberg oder Lurlinberg zugedacht. Auffällig ist, dass zu dieser Zeit noch keine Rede von der gleichnamigen Sagengestalt war, die den Felsen später zu einer der berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Region machen sollte.

Goldblonde Schönheit stürzt Schiffer ins Verderben

Sie taucht erstmals 1801 in einem Gedicht von Clemens Brentano auf. In der Ballade „Zu Bacharach am Rheine“ wird die „Lore Ley“ als Zauberin dargestellt, die Männer mit ihrer Schönheit betört, ihnen aber letztlich nur Unheil und Verderben beschert. Sie selbst leidet unter Liebeskummer und springt am Ende vom Felsen in den Tod. Endgültigen Kultstatus erreichte die Loreley 1824 durch Heinrich Heine, der die Figur in den Mittelpunkt seines Gedichts „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ stellte. Darin beschreibt er eine schöne Jungfrau, die auf dem Felsen sitzend ihr goldenes Haar kämmt und mit ihrem Gesang die Aufmerksamkeit der Schiffer auf dem Rhein auf sich zieht. Aufgrund dieser Ablenkung können die Männer ihre Schiffe nicht mehr sicher steuern und erleiden schließlich Schiffbruch. Später unterlegte Friedrich Silcher den Text mit Musik und verschaffte der Loreley mit seinem Volkslied zusätzliche Popularität.

Um diesem Mythos auf den Grund zu gehen, machen sich jedes Jahr zahlreiche Touristen aus der ganzen Welt auf den Weg nach St. Goarshausen. Der echten Zauberin wird man dort zwar nicht begegnen, dennoch ist die Faszination, die von ihr ausgeht, nach wie vor ungebrochen. Und das, obwohl sich im Laufe der Jahrhunderte einiges verändert hat. Unter anderem ist das Durchfahren der besagten Rheinpassage deutlich sicherer geworden: Schon in den 1930er Jahren wurden gefähr­liche Felsenriffe weggesprengt. Zudem waren lange Zeit Lotsen im Einsatz. Heute gibt es hier Signalstationen, die den Schiffsverkehr regeln.

Sehenswertes Plateau mit beeindruckender Aussicht

Auch auf dem Felsen ist einiges passiert: 1939 wurde eine Freilichtbühne eröffnet, auf der noch heute Veranstaltungen stattfinden. Daneben befindet sich eine Sommerrodelbahn sowie das im Jahr 2000 errichtete Besucherzentrum mit Museum. Vor nicht allzu langer Zeit wurde das Plateau umgestaltet und mit dem 2019 eröffneten „Kultur- und Landschaftspark Loreley“ bestückt. Dort finden Besucher sechs Aussichtspunkte, die einen schönen Ausblick auf das Obere Mittelrheintal bieten. Neben den charakteristischen Weinbergen und Felshängen sind unter anderem imposante mittelalterliche Burgen wie Rheinfels und Katz zu sehen.

An die Sagenfigur erinnern heute die Sandsteinskulptur „Loreley“ von Mariano Pinton auf dem Felsplateau und die Bronzestatue „Nixe Loreley“ der russischen Künstlerin Natascha Alexandrova Prinzessin Jusopov auf der Mole im Loreleyhafen.
Und wenn man Glück hat, begegnet man vielleicht der Loreley-Repräsen­tantin, die im Zweijahrestakt von der Loreley-Touristik gewählt wird. Dann scheint es fast so, als sei der Mythos tatsächlich lebendig geworden.

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