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Burg Stahleck

Wie ein mittelalterliches Bollwerk erhebt sich die Burg Stahleck in Bacharach über das Rheintal. Dabei scheint es fast so, als wache die steinerne Schönheit auf ihrem Felssporn aufmerksam über das malerische Städtchen am Fuße des Burgbergs. Mit ihrer hohen Schildmauer, einem imposanten Bergfried und einem in den Fels geschlagenen Halsgraben wirkt sie wie eine unbezwingbare Aufpasserin aus längst vergangenen Zeiten. Doch der Schein trügt: Im Laufe ihrer Geschichte wurde Stahleck mehrfach beschädigt und sogar fast komplett zerstört. In ihrer heutigen Form entstand die Anlage erst im 20. Jahrhundert.

Wann die Geschichte der Burg genau begann, ist nicht sicher belegt. Experten vermuten, dass sie im 11. Jahrhundert erbaut wurde. Wahrscheinlich wollten die Kölner Erzbischöfe die Anlage als Vorposten ihres Herrschaftsgebietes nutzen. Erste sichere Erkenntnisse liefert eine urkundliche Erwähnung von 1135: Darin wird Graf Goswin von Höchstadt als Lehnsnehmer der Burg genannt.

Als sein Sohn Hermann die Burg übernahm und später von seinem Schwager Konrad III. zum Pfalzgrafen ernannt wurde, stieg Burg Stahleck zum Machtzentrum der Rheinischen Pfalzgrafschaft auf. Nach Hermanns Tod im Jahr 1156, übernahm Konrad von Hohenstaufen das Amt. Er gehörte dem Adelsgeschlecht der Staufer an, die seit mehreren Jahrzehnten unversöhnlich mit der Welfendynastie im Clinch lagen. In diesem geschichtsträchtigen Konflikt sollte Burg Stahleck später eine wichtige Rolle spielen.

„Hochzeit von Stahleck“ führt zur Versöhnung

Konrads Tochter und alleinige Erbin Agnes, die nach dem Willen ihrer Familie den französischen König Philipp II. heiraten sollte, vermählte sich 1194 auf Burg Stahleck stattdessen heimlich mit ihrer großen Liebe Heinrich von Braunschweig aus dem Geschlecht der Welfen. Am Ende feierte nicht nur das Brautpaar ein Happy End: Die „Hochzeit von Stahleck“ führte zu einer kurzzeitigen Versöhnung zwischen den beiden verfeindeten Dynastien.

In den folgenden Jahren wechselten die Pfalzgrafen mehrfach. Zu ihnen zählte unter anderem der Wittelsbacher Ludwig I., der seinen Hauptsitz 1214 nach Heidelberg verlegte. Dennoch war Stahleck immer wieder Schauplatz wichtiger Veranstaltungen. In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde das Bauwerk zu einem Bestandteil der Bacharacher Stadtbefestigung. Danach verlor die Burg aber zunehmend an Bedeutung für die Pfalzgrafen.

Zerstörung nach kriegerischen Auseinandersetzungen

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618 - 1648) sollte es jedoch noch schlimmer kommen: Die Burg wurde von verschiedenen Truppen belagert und bei kriegerischen Auseinandersetzungen stark beschädigt. Zwar ließ Pfalzgraf Karl Ludwig die entstandenen Schäden 1666 noch beheben, doch den folgenden Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688 - 1697) überstand die Burg nicht: Französische Truppen zündeten 1689 die Pulvervorräte der Anlage an und verursachten damit eine Explosion, bei der Stahleck fast komplett zerstört wurde.

Die verbliebene Ruine ging nach Kriegsende zunächst in den Besitz der Kurpfalz über. Im Frieden von Lunéville 1801 wurde sie Frankreich und beim Wiener Kongress 1815 Preußen zugesprochen. Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. erstand die Ruine 1828, ließ die Burg aber nicht wieder aufbauen.

Wiederaufbau im 20. Jahrhundert

Bewegung kam erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts ins Spiel: Der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Heimatschutz übernahm die Ruine und ließ Instandsetzungsarbeiten durchführen, die jedoch durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen wurden. In den 1920er Jahren fiel dann die Entscheidung, die Anlage wieder komplett aufzubauen. Es folgten die Wiederherstellung von Ring- und Schildmauer sowie die Sicherung des Bergfrieds und die Entschuttung des Halsgrabens. Zudem entstand eine Jugendherberge auf dem Gelände. Die Bauarbeiten wurden in der NS-Zeit fortgeführt, endeten aber mit Beginn des Zweiten Weltkriegs. Ab 1940 nutzten die Nationalsozialisten die Anlage als Wehrmachtslazarett. Danach betrieben sie hier ein Jugendumerziehungslager und später ein Straflager für Jugendliche.

„... wie eine unbezwing­bare Aufpasserin aus längst vergangenen Zeiten.“

Jugendherberge mit Blick aufs Rheintal

Zwei Jahre nach Kriegsende konnte die Jugendherberge, die bis heute vorhanden ist, wieder öffnen. In den 1960er-Jahren folgte ein weiterer Ausbau der Anlage. Obwohl diese in ihrer jetzigen Form erst im 20. Jahrhundert entstanden ist und von der ursprünglichen Burg lediglich Teile des Bergfrieds, der Ringmauer und des Palas übrig geblieben sind, vermittelt Burg Stahleck noch immer mittelalterliches Flair. Wer Bacharach besucht, sollte daher auf jeden Fall einen Ausflug zu diesem historischen Ort einplanen. Die Gebäude der Anlage stehen zwar nur den Gästen der Jugendherberge zur Verfügung. Der Innenhof ist jedoch auch für Besucher zugänglich und bietet eine beeindruckende Aussicht auf den Rhein.

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