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50 Jahre auf dem Rhein

Ein Frühlingstag in einem kleinen Stadtteil von Sinzig. Hier, wo die Ahr in den Rhein mündet, wohnt Toni Alfter (64), erfahrener Kapitän und ein halbes Jahrhundert lang Mitglied der großen KD-Mannschaft. Die RheinZeit trifft den frisch gebackenen Ruheständler morgens bei einer Tasse Kaffee an, die er auf seiner sonnigen Terrasse genießt. Heute hat er Muße für ein bisschen Nostalgie.

RheinZeit: Kapitän Alfter, mit 14 Jahren begann Ihre Ausbildung zum Binnenschiffer bei der KD. Zuletzt steuerten Sie als 1. Schiffsführer die MS RheinFantasie, eines der modernsten Schiffe Europas. Ist für Sie beruflich ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen?

Toni Alfter: Da muss ich Sie leider enttäuschen (lacht): Ich wollte ursprünglich Feinmechaniker werden. Mein Wunscharbeitgeber, ein Forschungslabor für Hochfrequenzphysik, war mir aber zu abgeschottet; eingesperrt sein war nichts für mich. Zur Binnenschifffahrt kam ich über meine Schwester, die ihren Mann, einen Schiffseigner, auf einem Frachter geheiratet hat. Dort entstand mein Wunsch, Matrose zu werden.

RheinZeit: Achtung, jetzt kommt noch eine typische Jungenfrage: Wie wird man Kapitän?

Toni Alfter: In Deutschland legen die Auszubildenden zum Binnenschiffer nach einer dreijährigen Lehrzeit auf einem Schulschiff die Prüfung zum Matrosen ab. Nach mindestens vier weiteren Jahren, in denen man weite Fahrtstrecken nachweisen muss, kann das Rheinschifferpatent erlangt werden. Es befähigt zum Führen eines Schiffes auf dem Rhein – von Basel in der Schweiz bis zum offenen Meer in den Niederlanden. Ich selbst war ab 1975 zunächst als Steuermann mit Patent, seit 1976 als eigenständiger Schiffsführer für die KD auf Fahrt unterwegs.

RheinZeit: Das ist eine lange Zeit auf dem Wasser! Was macht für Sie rückblickend den größten Reiz am Kapitänsberuf aus?

Toni Alfter: Einmal ist das schon eine große Freiheit, als Kapitän auf einem Schiff zu fahren. Man kann zum Beispiel an Bord die Arbeit selbst einteilen. Und ich hatte immer sehr gerne mit Menschen zu tun – mit den Mannschaftskollegen, aber auch mit den vielen, vielen Gästen meinen Fahrten. Die Mehrheit der KD-Gäste auf unseren Schiffen ist ja auf Ferien- oder Partyfahrt und zumeist guter Laune – da hat der Kontakt immer sehr viel Spaß gemacht.

Toni Alfter:

"... der Rhein, Inbegriff der Romantik, der Burgen und des faszinierenden Panoramas, ist immer wieder ein Erlebnis.“

RheinZeit: In Ihren 50 Jahren bei der KD muss sich Vieles in der Fahrgastschifffahrt verändert haben.

Toni Alfter: Das kann man wohl sagen! Allein beim Schiffsantrieb hat es in der Zeit einen Riesensprung gegeben. Begonnen haben wir damals auf Raddampfern, die noch über separate Ruderflächen gesteuert wurden. Heute machen das die modernen Propeller selbst. Auch die Ausstattung des Steuerhauses hat sich extrem gewandelt. Wo früher das große Lenkrad, der Telegraph für den Maschinenraum und ein Sicherungskasten ausreichten, steht der Kapitän heute inmitten eines Fahrpultes vollgepackt mit Technik.

Überhaupt: In Sachen Technik auf dem neuesten Stand zu bleiben, das hat mich immer begeistert, war aber zugleich eine Herausforderung. Der Wandel war schon enorm: In den 1980er Jahren wurde, was technisch über 100 Jahre Bestand gehabt hatte, in kurzer Zeit vom Tisch gewischt.

RheinZeit: Welche Erfahrung bei der KD hat Sie am nachhaltigsten beeindruckt?

Toni Alfter: Da muss ich nicht lange überlegen: Im Jahr 2011 durfte ich mit meinen Kollegen als praktischer Berater von KD-Seite monatelang den Bau der MS RheinFanatasie auf der Werft de Hoop in Holland begleiten. Ich lernte alle technischen Neuerungen von Grund auf kennen und durfte dann das Kommando auf diesem Schiff übernehmen.

RheinZeit: Jetzt, wo Sie zur Landratte werden, Herr Alfter, was werden Sie am meisten vermissen?

Toni Alfter: Neben dem überaus kollegialen Teamgeist bei der KD die Stadt Köln. Viele Jahre lang war das Kölner Rheinufer in der Altstadt Ausgangspunkt für meine Fahrten auf der MS RheinFantasie. In dieser Zeit durfte ich die Domstadt mit ihrer ganz besonderen Atmosphäre in der Sommersaison erleben. Selbst ein Rheinländer, fühle ich mich hier einfach zu Hause und bin auch der kölschen Sprache mächtig (lacht wieder). Die rheinische Mentalität ist auch meine Art, auf Menschen zuzugehen.

RheinZeit: Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person

Toni Alfter wurde am 31. Oktober 1951 in Remagen am Rhein geboren. 1966 kam er als Auszubildender zur KD, erhielt 1975 sein Rheinschifferpatent und begann ein Jahr später seine Karriere als Kapitän auf dem Rhein. Alfter ist verheiratet und hat einen Sohn. Nach 50 Jahren für die KD auf dem Wasser freut er sich auf einen aktiven Ruhestand mit ganz und gar nicht schiffsmäßigen Tätigkeiten wie Brot backen, Bühnen für die örtliche Theatertruppe bauen und mit seinem restaurierten alten Traktor Holz fahren.

Lieblingstrecke: Köln – Bad Hönningen. Start in der Domstadt Köln über Bonn und das Landschaftsidyll aus Burgen und Ruinen im Siebengebirge. Aufenthalt im charmanten Städtchen Bad Hönningen am Mittelrhein mit dem stolz aufragenden Schloss Arenfels inmitten idyllischer Weinberge. „Romantisch!“

Lieblingsschiff: Die Wappen von Köln, 1966/67 erbaut, war bis zum 14. Juli 2012 Teil der KD-Flotte. „Ein Schiff, das mir vom Handling her entgegenkam. Wir waren ein gutes Paar!“

Lieblingsgäste: „Einen besonderen Draht hatte ich zu denjenigen unter meinen – oft weit gereisten – Gästen, für die das UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal der Urlaubstraum schlechthin war. Ihr überwältigtes Staunen angesichts dieses Inbegriffs der Rheinromantik, der Burgen und des faszinierenden Panaromas war immer wieder ein Erlebnis.“

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