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Von Zollturm zu Zollturm

Wer per Schiff am südlichen Eingang des Mittelrheintals zu einem Ausflug startet, passiert zunächst den Binger Mäuseturm, und am angepeilten Tagesziel Kaub steht mitten im Rhein die berühmte Burg Pfalzgrafenstein. Beide Bauwerke dienten früher nur einem Zweck: Zölle einzutreiben – notfalls mit Waffengewalt. Heutzutage geht es weitaus friedlicher zu auf dem Rhein, und der Schiffsreisende hat Muße, ganz in das einzigartige idyllische Ensemble aus Weinbergen, Dörfern und Burgen zu versinken.

Wie praktisch: Die Reise durch das Mittelrheintal von Süden aus lässt sich sowohl am rechten wie am linken Rheinufer beginnen. Damit ist in dieser an Rheinquerungen so armen Gegend schon einmal eine Hürde genommen. Möglich machen es Bingen und Rüdesheim, die am südlichen Eingang des Mittelrheintals annähernd vis-à-vis am Strom liegen. Und selbstverständlich fährt die KD beide Städte an. Für eine Tour durch das UNESCO-Welterbe Mittelrheintal sollte man ruhig einen ganzen Tag einplanen. Rechtsrheinische Frühaufsteher können um 9:15 Uhr im hessischen Rüdesheim an Bord des ersten KD-Schiffs des Tages gehen, linksrheinische eine Viertelstunde später im rheinland-pfälzischen Bingen. International geht es zu auf dem Schiff. Asiatische Reisegruppen sind ebenso früh auf den Beinen wie spanische Familien, französische Radwanderer und allerlei Tagesausflügler aus der näheren und weiteren Umgebung von Bingen und Rüdesheim.

Sitzen und genießen

Der frühe Start der Tour hat definitiv sein Gutes: Auf dem Fluss glitzert die Morgensonne, die sanft hügeligen Ufer wirken fast ein wenig unwirklich. Bis Kaub fährt das Schiff gerade einmal 70 Minuten, die Strömung des Rheins leistet bereitwillig Unterstützung. Der Rheinreisende hat nun die Wahl, wie er diese gute Stunde zubringen möchte: Ist er eher der meditative Typ, der ganz in die Betrachtung der Landschaft versinken will?

Dann sucht er sich ein heimeliges Plätzchen – bei gutem Wetter natürlich an der Reling des Freidecks und am besten mit Blick auf die Rüdesheimer – also die in Fahrtrichtung rechte – Rheinseite. Denn hier folgt nur rund eine Viertelstunde nach Abfahrt in Bingen mit Assmannshausen gleich das nächste idyllische Rheinörtchen. Der Ort gilt als Rotweininsel in der ansonsten vom Rieslinganbau geprägten Gegend. Einen guten Blick hat man im Vorbeischippern auch auf den Sessellift, der von Assmannshausen zum Jagdschloss Niederwald führt, und den man sich unbedingt merken sollte – als Anlaufpunkt für den nächsten oder übernächsten Tagesausflug, z.B. mit dem beliebten Ringticket der KD. Weitere 20 Schiffminuten später liegt mit Lorch der nächste kleine Weinort am Ufer – wie Assmannshausen auch mit einem KD-Anleger ausgestattet und ebenfalls ein lohnendes Ziel für Weinfreunde.

Stärkung an Bord

All diejenigen, die wegen der frühen Abfahrt des Schiffes zu Hause nicht zum Frühstücken gekommen sind, können das bequem und schmackhaft an Bord nachholen. Die KD-Frühstückskarte ist reichhaltig, der Kaffee aromatisch und der Service so flott, dass man in den 70 Minuten bis Kaub entspannt satt wird.

Wer zehn Minuten früher fertig ist mit frühstücken, kann noch einen Blick auf Bacharach erhaschen, bekrönt von der schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Jugendherberge umgebauten Burg Stahleck und bis heute geschützt durch seine mächtige Stadtmauer mit den zahlreichen Wehrtürmen. Und dann heißt es auch schon: Fertig machen zum Aussteigen, denn nach einer Linkskurve kommt die Burg Pfalzgrafenstein in Sicht. Die liegt, wie der Mäuseturm vor Bingen, auf einer kleinen Insel mitten im Rhein und zeigt an, dass das Tagesziel Kaub erreicht ist. Zwar ist Kaub mit seinen gerade einmal 860 Einwohnern die kleinste Stadt in Rheinland-Pfalz, kann aber mit erstaunlich vielen Sehenswürdigkeiten aufwarten.

Entdeckungstour durch Kaub

Das frühe Aufstehen lohnt sich also, denn nun kann man sich ganz entspannt der Erkundung dieses Ortes und seiner Besonderheiten widmen. Entscheidungshilfe leistet dabei eine Schautafel gleich neben dem Anleger, die die Sehenswürdigkeiten Kaubs auflistet. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Spaziergang entlang der Stadtmauer? Sechs Haupttürme und ein arkadenüberwölbter Wehrgang, der bis heute bei Hochwasser als Notweg dient, sind erhalten. Oder lieber der Aufstieg zu Burg Gutenfels, die auf einem Felssporn über dem Ort thront? Die um 1220 errichtete Burg befindet sich heute in Privatbesitz, kann zwar nicht besichtigt werden, bietet aber einen grandiosen Ausblick über den Rhein, die Weinberge und natürlich Kaub.

Überall Blücher

Wieder zurück im Ort dürfte es nun Zeit sein, sich mit Kaubs besonderer Beziehung zu Generalfeldmarschall Blücher zu beschäftigen, denn der preußische Feldherr ist im Ort allgegenwärtig: An der Uferpromenade blickt sein überlebensgroßes Standbild auf den Strom, der Blücherbach fließt durch das Blüchertal Richtung Rhein und in der Metzgergasse Nummer sechs erwartet das Blüchermuseum seine Besucher. Wer dem schmucken Barockhaus einen Besuch abstattet, reist rund 200 Jahre in die Vergangenheit, in die Zeit der napoleonischen Kriege. Damals ließ eben jener Blücher als Oberbefehlshaber der Schlesischen Armee in Kaub eine Pontonbrücke errichten, über die ab Neujahr 1814 rund 50.000 Soldaten, 15.000 Pferde, 182 Kanonen und unzählige Ausrüstungsgegenstände den Rhein überquerten. Ihr Ziel: Paris. Diese spektakuläre Aktion, die wesentlich zum Sturz Napoleons beitrug, dokumentiert das Museum ebenso wie die Wohnkultur des frühen 19. Jahrhunderts und Episoden aus dem Leben Blüchers.

Burg im Strom

Nicht weniger spektakulär als Blüchers Rheinüberquerung ist Kaubs berühmteste Sehenswürdigkeit, die Burg Pfalzgrafenstein auf ihrer namenlosen Insel im Rhein. Eine kleine Personenfähre setzt im Halbstundentakt zu ihr über, und der Besucher kann Burg und Insel auf eigene Faust erkunden. Nach einer Besichtigung der Wehrgänge und Turmkammern, des unerwartet geräumigen Innenhofs und der Südseite der Burg, die wie ein Schiffsbug stromaufwärts zeigt, lädt eine Bank zum Ausruhen ein. Hier sitzt man gewissermaßen mitten im Rhein, sieht große und kleine Schiffe direkt auf sich zukommen.

„Burg Pfalzgrafenstein, die auf einer namenlosen Insel im Rhein steht.“

Wer nach so viel Geschichte hungrig ist, findet in Kaub reichlich Möglichkeiten zum Einkehren, etwa auch im Café einer der modernsten Jugendherbergen Deutschlands. Die befindet sich seit 2010 direkt an der Stadtmauer in der ehemaligen Kurpfälzischen Amtskellerei mit ihren Gebäuden aus dem 14. und 18. Jahrhundert. Oder man geduldet sich, bis das KD-Schiff wieder in Sicht kommt, denn die Küche an Bord ist bestens auf hungrige Ausflügler eingerichtet. Und da es nun stromaufwärts geht, hat man für das Essen an Bord rund zwei Stunden Zeit, bevor es dann in Bingen oder Rüdesheim wieder von Bord geht. So schnell kann ein ganzer Ausflugstag zu Ende gehen.

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