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Radeln nach Zahlen

Tagestour von Köln nach Bonn und zurück
Touren mit der KD sind immer besonders schön, wenn man sie mit anderen Aktivitäten kombiniert. Die RheinZeit-Redaktion hat sich also gleich vor der eigenen Haustür in Köln aufs Rad geschwungen und sich auf den Weg nach Bonn gemacht. Zurück ging’s dann – natürlich – per Schiff.

16, 18, 59, 555. Für die meisten Menschen im Rheinland definiert sich der Weg von Köln nach Bonn – oder umgekehrt – über eine dieser vier Zahlen. Welche es ist, hängt vom gewählten Verkehrsmittel ab: KVB-Fahrer haben die Wahl zwischen den Linien 16 und 18, wer das Auto nimmt, erreicht sein Ziel über die A59 oder die A555.

Wir hätten da noch einige andere Zahlen für die Strecke im Angebot: 54, 86, 79, 14, 79. Mit diesen und ein paar weiteren Nummern kommt man ebenfalls ganz bequem von der einen in die andere Stadt – und zwar per Fahrrad. Sie stehen für Knotenpunkte im Radwegenetz von Nordrhein-Westfalen. Wer eine Tour plant, braucht sich bloß die Knotenpunkte auf seiner Route zu merken und dann den entsprechenden Schildern zu folgen. Wirklich praktisch.

Start im Kölner Süden

Die hier vorgestellte Tour beginnt im Kölner Volksgarten, unmittelbar neben dem dortigen Biergarten. Hier steht eine metallene Stele mit Landkarte und Hintergrundinformationen zum Park. Gelbe Pfeile in einem blauen Quadrat weisen dem Radler den Weg. In Kombination mit der Beschilderung der NRW-Radwege kommt man garantiert ans Ziel. Unseres an diesem Tag ist der Bonner Hofgarten. Doch zunächst geht es Richtung Knotenpunkt 54. Der ist schnell gefunden, und das nächste Etappenziel heißt auf einer überraschend grünen Schneise 15.

Unsere Tour geht weiter Richtung Knotenpunkt 86. Hier führt ein breiter Weg mitten hinein ins Grüne, über die Autobahn 555. Nächstes Etappenziel sind die Kölner Vororte Immendorf und Rondorf – und die Namen sprechen für sich. Hier führt der Weg auf einmal zwischen wogenden Weizen- und satt grünen Maisfeldern hindurch. Immendorf und Rondorf liegen wie zwei Inseln zwischen den Feldern, alte Höfe und Fachwerk malen Dorfidylle an den Straßenrand.

Raus aus Köln

Der Weg führt uns in ein Wäldchen zu einem unerwarteten Aussichtspunkt: Ein See mit zwei Inseln. Die dichte Vegetation reicht bis ans Ufer, das Wasser schimmert türkisblau. Ein Schild gibt Auskunft darüber, dass es sich bei dem See um eine renaturierte Kiesgrube handelt, die heute seltenen Tieren als Heimat dient.

Lohnender Abstecher

Nach einer kurzen Pause nehmen Kurs auf Wesseling. Vorbei geht’s an Reitplätzen und Pferdehöfen, bis wir schließlich Knotenpunkt 79 erreichen, und hier heißt es für uns zum ersten Mal heute, eine Entscheidung zu treffen: rechts oder links, Naturschutzgebiet oder Weltkulturerbe, 72 oder 74? Wir entscheiden uns für rechts und das heißt 72 und Weltkulturerbe, denn jetzt geht’s in Wesselings Nachbarstadt Brühl. Dort steht mit den Schlössern Augustusburg und Falkenlust und ihrem riesigen barocken Park Deutschlands erstes Weltkulturerbe.

Bevor wir uns in den Park und zu den Schlössern aufmachen, machen wir im „Chez Max“ Station, dem Café des Max-Ernst-Museums. Das ist dem wahrscheinlich bedeutendsten Spross der kleinen Stadt, dem Surrealisten Max Ernst (1891-1976) gewidmet. Das Café ist künstlerisch puristisch und die Rhabarberschorle nach mittlerweile fast 20 Kilometern im Sattel herrlich erfrischend.

So gestärkt geht’s weiter zum nur einen Steinwurf hinter dem Museum liegenden Schloss Augustusburg. Wir sind vom Anblick des Rokokobaus fasziniert und schieben unsere Räder Richtung Wald, hinein ins ehemalige Jagdrevier des Kölner Kurfürsten und Erzbischofs Clemens August (1700 bis 1761), des Erbauers der Brühler Schlösser. Auf der anderen Seite des Parks liegt gewissermaßen die kleine Schwester von Schloss Augustusburg, Schloss Falkenlust, ein herzallerliebstes Jagdschlösschen.

Kurs auf Bonn

Falkenlust markiert das Ende der barocken Üppigkeit. Von hier aus geht es an Gemüsefeldern vorbei über die Dörfer und Knotenpunkt 74 weiter, bevor die nächste Entscheidung ansteht: Weiter Richtung Südosten nach Bornheim oder nach Osten, um dann in Urfeld an den Rhein zu gelangen? Wir entscheiden uns für letztere Option, so dass unser nächstes Etappenziel die Nummer zwölf trägt. Und da taucht er dann tatsächlich irgendwann auf, der gute alte Rhein. Mal unter schattenspendenden Bäumen, mal mit freier Sicht auf den Strom führt der Weg weiter in Richtung der ehemaligen Bundeshauptstadt. Über die breit ausgebaute Uferpromenade fahren wir ganz gemütlich Richtung Innenstadt und landen fast unweigerlich im Bonner Hofgarten. Hier steht dann auch wieder eine der Stelen und signalisiert: Geschafft, Tagesziel erreicht!

Entspannung an Bord

Der KD-Anleger unterhalb der Bonner Oper am Brassertufer ist nur einen Katzensprung entfernt, so dass nun der gemütliche Teil der Tagestour beginnen kann. Die Kennzahlen für die Rückfahrt nach Köln lauten 655 und 688. Das sind die Rheinkilometer an den jeweiligen Anlegern. Um 17:15 Uhr geht es bei 655 aufs Schiff. Die schmucke MS RheinFantasie ist gut gefüllt. An Bord: entspannte Menschen, die ganz offensichtlich einen schönen Tag verlebt haben. Im Hauptdeck stehen dutzende Fahrräder. Wir stellen unsere dazu und suchen uns einen Platz im vorderen Salon mit Aussicht.

Radeln macht hungrig und so geht der erste Griff zur Speisekarte. Vom frischen Salat mit Ziegenkäse bis zur Currywurst mit Pommes ist alles vertreten, was glücklich und satt macht. Dazu ein Wein von der gut bestückten Weinkarte oder doch lieber ein frisch gezapftes Kölsch? So viel sei verraten: In den rund anderthalb Stunden, die die Rückfahrt bis zum Kölner Dom dauert, haben wir hervorragend gegessen und getrunken. Zur Ankunft in Köln gehen wir dann an Deck. Hier hat man einfach das Gefühl, noch näher dabei zu sein, wenn das Schiff an den modernen Kran- und historischen Lagerhäusern des Rheinauhafens Richtung Dom gleitet und schließlich – bei Stromkilometer 688 – seinen Liegeplatz ansteuert.

Dann fluten die Rheinreisenden die Altstadtpromenade, und auch wir treten ein letztes Mal an diesem Tag in die Pedale, erschöpft, aber hochzufrieden mit unserer Tour durchs Zahlen-, pardon Rheinland.