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Grün, grüner, Mosel

Fast schon wie ein Geheimtipp: eine KD-Tour über die Mosel. Denn das man mit der KD auf dem Rhein schippern kann, weiß eigentlich mittlerweile jeder. Aber auf der Mosel? Klar, und das sollte man sich keinesfalls entgehen lassen, wie die Redaktion der RheinZeit festgestellt hat – zumindest, wenn man auf der Suche nach Ruhe und Entschleunigung inmitten der Natur ist. Ein Reisebericht.

315 zu 37: Das ist nicht etwa das Ergebnis irgendeines ungleichen sportlichen Duells, sondern die Gegenüberstellung der Fahrzeiten, die ein Schiff und ein Zug für die Strecke von Koblenz nach Cochem benötigen. Damit es nicht zu Verwechslungen kommt: Das Schiff benötigt für die rund 50 Moselkilometer 315, der Regionalexpress 37 Minuten. And the winner is … – eindeutig das Schiff!

Erfolgsfaktor Langsamkeit

Zwar gilt heute alles und jeder, der besonders schnell ist, als ganz weit vorn, doch in diesem Fall geht der Punkt eindeutig an den langsamen Kandidaten. Denn die gut fünf Stunden, die das Schiff für die Fahrt benötigt, sind bestens investierte Lebenszeit. Die Investitionsgüter heißen Entspannung, Entschleunigung, Erholung, Genuss. Und von allen hält die Mosel reichlich bereit. Start in diese Wiederentdeckung der Langsamkeit ist morgens um viertel vor zehn am Koblenzer KD-Anleger am Rheinufer unweit des Deutschen Ecks. Dreimal wöchentlich zwischen Mai und Oktober steht die Fahrt nach Cochem auf dem KD-Fahrplan. Durchgeführt wird sie von der KD-Partner-Reederei Gilles, die mit ihren Schiffen quasi zum Koblenzer Stadtbild gehört, denn auch auf dem Rhein sieht man den grün-weißen Gilles-Wimpel regelmäßig wehen.

MS Fortuna heißt das gemütliche Ausflugsschiff, das das Redaktionsteam am Anleger erwartet, und da die Sonne schon jetzt vom tiefblauen Himmel strahlt, geht der Weg direkt auf das geräumige Freideck. Gemütliche Holzbänke – wahlweise mit oder ohne Sonnenschutz und Tisch erwarten die Moselausflügler hier. Ein Blick auf die Festung Ehrenbreitstein, unter der Seilbahn hindurch und schon steuert MS Fortuna Richtung Kaiser-Wilhelm-Denkmal und damit Richtung Moselmündung.

Erster Halt: Schleuse

Keine zwei Kilometer, nachdem MS Fortuna in die Mosel eingeschwenkt ist, und noch auf Koblenzer Stadtgebiet, erwartet die Flussfahrer die erste von insgesamt drei Schleusen auf dem Weg nach Cochem. Knappe fünf Meter Höhenunterschied gilt es an dieser Staustufe zu überwinden. Das Schleusen ist einer der Faktoren, der eine Tour über die Mosel von anderen Flussfahrten unterscheidet – und vielleicht auch dazu beiträgt, dass das Gefühl von Entschleunigung hier ganz besonders groß ist. Denn: Schleusen zu passieren, braucht Zeit, und es ist nicht wirklich planbar, wie viel.

Viel Grün und wenig Häuser

Nach der Schleuse lässt das Schiff schon bald die letzten Koblenzer Häuser hinter sich, und bis zum Zielort Cochem liegen an den sattgrünen Ufern nur noch kleinere und kleinste Ortschaften – jeweils in gebührendem Abstand zueinander. Zu sehen gibt es schmuckes Fachwerk, Gründerzeitvillen, historische Bahnhöfe und mmer wieder Burgen. Der Romantikfaktor ist hier ähnlich hoch wie auf Vater Rhein, nur ist alles etwas kleiner, die Hügel lieblicher, der Fluss schmaler. Dabei umfängt den Reisenden eine wunderbare Ruhe. Der bekannte Weinort Winningen zieht vorbei, ebenso das Doppelstädtchen Kobern-Gondorf mit seinen vier Burgen. Gleich dahinter steht bei Lehmen die nächste Schleuse auf dem Programm, und dann ist bei Kattens auch schon die Hälfte der Strecke geschafft.

Je weiter es Richtung Cochem geht, desto weniger Häuser sind zu sehen, so dass man sich beim Blick auf die Flussufer ganz und gar auf die grünen Hügel und die Weinberge konzentrieren kann. Und wie wäre es dazu mit einem kleinen Imbiss? Die leichte Brise an Bord macht hungrig. Nach Würstchen und Gemüseschnitzel mit Kartoffelsalat, einem letzten Cappuccino und der dritten Schleuse kommt tatsächlich auch schon Cochem in Sicht. Kaum zu glauben, dass die Abfahrt in Koblenz schon fünf Stunden her sein soll!

Quirlige Lebensfreude

Der Landungssteg in Cochem ist so etwas wie eine Brücke zwischen zwei Welten: Auf der einen Seite die ruhige Sphäre des Ausflugsschiffs, auf der anderen der quicklebendige Ausflugsort. Doch auch nach guten fünf Stunden Entspannung ist man hier ganz schnell im Ausflüglermodus, muss sich allerdings entscheiden: erst ein Bummel durch die malerisch engen Gassen oder lieber gleich den Marsch bergan zu Cochems größter Sehenswürdigkeit antreten, der Reichsburg? Die thront auf einem Schiefergipfel hoch über dem Fluss und wirkt mit ihrem wehrhaften Hauptturm wie der Inbegriff der mittelalterlichen Ritterburg.

Eigentlich im 11. Jahrhundert erbaut, war die Reichsburg nach wechselvoller Geschichte und der Zerstörung durch die Truppen Ludwigs XIV. im 17. Jahrhundert fast 200 Jahre Ruine, bevor der Berliner Kaufmann Louis Ravené (1823-1879) sie erwarb und im neogotischen Stil als Sommerresidenz für seine Familie wieder aufbaute. Ist der Burgberg – zu Fuß oder mit dem Shuttlebus – erobert, fällt der Blick nicht nur auf Mosel und Cochem, sondern am gegenüberliegenden Hang auch auf eine weitere Attraktion des Städtchens: die Cochemer Sesselbahn, die zum 255 Meter hoch gelegenen Pinnerkreuz führt, dem schönsten Aussichtspunkt der Gegend.

Wer Reichsburg, Sesselbahn, vielleicht den für Familien attraktiven Wild- und Freizeitpark Klotten und noch die eine oder andere weitere Sehenswürdigkeit Cochems anschauen möchte, sollte sich auf jeden Fall für mindestens eine Nacht in einem der zahlreichen Hotels des Ortes einquartieren. Tagesausflügler müssen nach der Führung durch die Reichsburg schon allmählich an die Rückreise denken, und da zeigt sich dann: Schiff und Zug mit ihren so unterschiedlichen Reisegeschwindigkeiten sind an diesem Tag gar keine Konkurrenten, sondern eigentlich das perfekte Team, denn nach diesem prall gefüllten Tag ist man mit dem Regionalexpress in lässigen 37 Minuten zurück in Koblenz.

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